Kategorie: Böse (Seite 1 von 2)

How to survive Freitag der 13.

Regel Nr. 1: Herabfallenden Klavieren ist unbedingt auszuweichen. Auch wenn sie harmlos aussehen, sie sind extrem tödlich.

Regel Nr. 2: Wenn du beim Einkaufen den letzten Kopfsalat oder das einzig übrige Nutella-Glas entdeckst, halte dich fern. Es ist garantiert eine Falle!

Regel Nr. 3: Menschen, die dir weismachen wollen, dass Freitag der 13 eigentlich ein Glückstag ist, versuchen nur, an deine Facebook-Daten zu kommen.

Regel Nr. 4: Sich selbst in Watte einzupacken ist gefährlich. Watte kratzt und wird schnell dreckig.

Regel Nr. 5: Fremde Häuser sollten nur rückwärts mit einer Hand auf dem Kopf und geschlossenen Augen betreten werden. So wird man nicht als Bedrohung wahrgenommen.

Armer reicher Junge

Seit Nicks Eltern Mitglied in diesem neuen, schicken Country-Club waren, verbrachten sie zusammen jedes Wochenende dort. Kinder waren zwar erwünscht, allerdings nur so lange man möglichst wenig von ihnen sah. Daher „durften“ Nick und seine so genannten Spielkameraden an Aktivitäten teilnehmen.  Heute war es Rudern. Nick fand Ruder nöde. Er trieb mit dem kleinen Boot einfach nur auf dem See. Er stellte sich vor, wie die Erwachsenen zusammen saßen und ihr Geld zählten. Er konnte es kaum erwarten, wieder nach Hause zu kommen, um weiter an seinem geheimen Projekt zu arbeiten: seiner Laserkanone. Er würde sie nicht verkaufen. Aber benutzen.

Kauf uns!

„Hierher, guck doch, hierher!“ Die Gummibärchen schrien mit ihren quietschigen Stimmen aus vollem Hals. Ich versuchte sie zu ignorieren. Leider waren jetzt alle wach. Die Gummi-Schlümpfe sangen das penetrante Lied ihrer Zeichentrick-Pendants, die Tierkekse brüllten, fauchten und zischten, doch die meisten Geräusche waren gar nicht im Einzelnen auszumachen. Sie waren einfach nur laut. Ich wollte mich beherrschen, ich musste mich beherrschen. Zum Glück war kein Weihnachten, die Schoko-Weihnachtsmänner waren verdammt gute Redner. Ich dachte an andere leckere Dinge. An Obst. Oh ja, Obst war gut. Warum nur sprach das Obst nicht zu mir? Es war so still, so verdammt still.

Bis ins Mark

In meinen Adern brannte der Zorn. Mit weit aufgerissenen Augen starte ich ihn an, mein Atem ging schwer. Als einziges Geräusch durchbrach ein leises Klicken die bedrohliche Stille. Als er sich bewegte, fletschte ich die Zähne. Das Schlachtermesser lag locker in meiner rechten Hand und gab mir doch ein Gefühl der Macht. Ich kniff meine Augen nun eng zusammen, um ihn besser sehen, jede seiner Bewegungen wahrnehmen zu können. Ich atmete tief ein und … „Britta, entspann dich!“ Der Fotograf lugte hinter seiner Kamera hervor: „wir fotografieren dich nur halsabwärts, du musst diese ganzen Grimassen nicht schneiden.“ Ich vergeudete mein Talent.

Vollendung

Mein Blick schweifte über das, was einmal ein einladendes Wohnzimmer gewesen war. Jetzt herrschte das pure Chaos. Das Sofa und die Sessel waren aufgeschlitzt, zwei Regale umgeworfen und Stücke des Teppichs fehlten. Hier in New York überraschte mich nicht mehr viel, aber dieser Tatort war grotesk. Eine Kollegin in Uniform überreichte mir das im durchsichtigen Beutel verschlossene Beweisstück. Ich betrachtete es von allen Seiten. Man konnte wenig darauf erkennen, aber ich wusste bereits, dass das komplette Puzzle ein Sternbild ergab. Dieses letzte Teil hatte der Verdächtige gesucht. Erst verzweifelt, dann rasend. Es zu verstecken hatte seinem Mitbewohner das Leben gekostet.

Blaulichter

Als ich in die Straße einbog, tanzten sofort unzählige Blaulichter vor meinen Augen. Ich spürte, wie mich die Emotionen überwältigten. Ich war beunruhigt, ängstlich, nervös und absolut erleichtert. Endlich hatten sie seine Leiche gefunden! Seit geschlagenen drei Tagen wartete ich bereits darauf. Meinen ehemaligen Geschäftspartner hatte die letzten 72 Stunden offenbar niemand vermisst. Das wunderte mich nicht besonders. Der Saturn bekam mehr Besuch als dieser Mann. Im Vorbeifahren warf ich einen Blick auf die Polizeiautos. Mein Herz setzte für einen Moment aus, als ich realisierte, dass sie vor dem falschen Haus standen. Fassungslos drehte ich mich um. Dann krachte es markerschütternd.

Nur eine Axt

Eine Axt zu besitzen ist kein Verbrechen. Es handelt sich bei einer Axt um ein ganz normales Werkzeug, das Menschen schon seit Jahrtausenden benutzen, beispielsweise, um Feuerholz zu hacken. Nun besitzt Tessa zwar keinen Kamin, aber deswegen kann sie trotzdem Holz hacken. Es ist also wirklich nichts Verdächtiges daran, eine Axt im Werkzeugschuppen zu haben. Aus diesem Grund sieht Tessa es ganz locker, dass ihr neuer Nachbar gefragt hat, ob er sich ihre Axt ausborgen kann. Er weiß sicher nichts, das er nicht wissen soll. Andererseits hat er ebenfalls keinen Kamin. Tessa kann nichts riskieren. Sie wird ihre Axt brauchen.

Schlaflos

134. So viele Schafe habe ich gezählt, bis es mir zu bunt wurde. Ich bin kein bisschen näher am Land der Träume wie vor den 134 Schafen. Was soll ich jetzt mit den blökenden Wollstrümpfen anfangen? Sie zu einer Pyramide stapeln? Ihnen einen Killer-Roboter auf den Hals hetzen? Die Schlaflosigkeit hat mich fest in ihren Krallen und lässt mich wirklich über die absurdesten Dinge nachdenken. In der ersten Klasse bin ich mal versehentlich mit Hausschuhen in die Schule gekommen. Das war so peinlich, daran könnte ich mich doch gerade jetzt ausführlich erinnern. Dann doch lieber wieder die doofen Schafe. 135, 136 … Oh, ein Killer-Roboter.

Hände hoch

Die Sonnenstrahlen fielen unbarmherzig auf uns herab. In der kargen, von der Hitze ausgedörrten Landschaft bildeten wir seltene Farbflecken. Ich, die Frau und der Mann mit der Waffe. Regungslos und stumm stand ich mit erhobenen Armen da. Eigentlich hatte ich mit der ganzen Sache nichts zu tun, ich war nur ein unfreiwilliger Beobachter. Der Mann fuchtelte wild mit dem Revolver, was mich ernsthaft befürchten ließ, dass mich jeden Moment ein Querschläger treffen könnte. Die Frau fiel auf die Knie und versuchte, den Mann zu besänftigen. Helfen konnte ich ihr nicht. Ich war nur ein Kaktus in der verdammten Wüste Nevadas.

Der erste Tag

So hatte er sich seinen ersten Tag im neuen Job wirklich nicht vorgestellt. Es war noch nicht einmal Feierabend und er hatte schon ungefähr 20 Mal duschen müssen. Das war aber noch harmlos gegen die vielen Nadeln, die in ihn gesteckt wurden, und die unzähligen Fragen, die er beantworten musste. Ihm tat gar nichts weh. Er hatte sich nur ein bisschen geschnitten und ein Pflaster auf die Wunde geklebt. Leider ist das, woran er sich geschnitten hatte, doch nicht nur „irgendein Ding“ gewesen und nun würde er seine Stelle vermutlich wieder verlieren. Erst einmal musste er allerdings aus dieser Quarantäne raus.

Rache ist kein Schokopudding

Auch wenn ein Schokopudding mal nicht perfekt gelingt, schmeckt er immer noch gut. Es passiert einfach nicht, dass man von Schokolade enttäuscht wird.  Bei Rache ist das anders. Mia hatte sich in ihrem Kopf alles perfekt ausgemalt. Wie sie ihn in seiner eigenen Wohnung überraschen würde, wie sie ihm die Waffe unter die Nase hält und ihn zwingt, sich für alles zu entschuldigen. Jetzt stand sie in seinem Wohnzimmer, hielt die Waffe auf ihn gerichtet und er ruinierte alles. Heulend und zitternd saß er auf dem Boden, vor Angst bekam er kein Wort über die Lippen. Kein Schokopudding, nur Realität.

Manche Verbrechen lohnen sich

Ich war ein Dieb. Heimtückisch und verschlagen. Ich hatte einem Menschen etwas gestohlen, das ihm viel bedeutete. Er würde weinen, garantiert sogar. Jetzt stand ich mitten im Wald und grub ein Loch, um die Beute zu verstecken. Gut fühlte ich mich nicht, mir war kalt und ich war müde, aber Reue empfand ich keine. Im Grunde war es Notwehr. Nicht nur ich, jeder normale Mensch in der Nachbarschaft spürte körperlichen Schmerz, wenn der jüngste Sohn der Klostermanns auf dem verdammten Saxophon zu spielen begann. Es klang wie eine übermüdete Katze, die mit einem erkälteten Huhn stritt. Das Saxophon musste weg.

Glück im Spiel

Ich war immer der Letzte, der die Kabine verließ und aufs Spielfeld kam. Immer. Meine Mannschaftskollegen dachten, dass ich abergläubisch wäre und länger zurückblieb, damit es uns Glück brachte. Das war natürlich Quatsch. Weder war ich abergläubisch, noch ging es um etwas so profanes wie Glück im Spiel. Keiner meiner Mannschaftskollegen ahnte, in welcher Gefahr sie waren. Ich hielt die Lampe vor ihnen versteckt. Sie lag in meiner Sporttasche, mit Handtüchern umwickelt . Sobald ich alleine in der Kabine war, packte ich sie aus und rieb sie. So wehrte ich den Fluch ab. Nie wieder würde ein Blitz ins Spielfeld einschlagen.

Die Vogelscheuchen

Sie trugen bunte Sachen, waren geschmückt mit farbenfrohen Blättern und ihre aufgestickten Münder lächelten – und doch spürte Lily, dass sie böse waren. Mit ihren sieben Jahren wusste Lily nicht viel über das Böse, aber manche Dinge muss man nicht verstehen, um sie zu erkennen. Leider waren die Erwachsenen nicht so aufmerksam. Lilys Eltern machten, wie Stadtmenschen das so tun, wenn sie zum Urlaub aufs Land fahren, permanent Fotos und irritierten die Einwohner. Lily behielt lieber die Vogelscheuchen im Auge. Sie war zu schlau, ihnen den Rücken zu zukehren. Sie hörte ein Wispern. Vielleicht war es der Wind in den Bäumen.

Noch ein Erinnerungsfoto

Er machte das nächste Bild von mir. „Mit dem Boot im Hintergrund“ wie er betonte. Innerlich stieß ich einen Seufzer aus. Wir hatten 1932, da war ein Foto von einem Boot nun wirklich keine Besonderheit mehr. Mein Mann war einfach besessen von seiner Kamera. Ich meinerseits konnte es kaum erwarten, sie auf seinem Schädel zu zertrümmern. Nein, mahnte ich mich selbst, das sollte ich besser nicht tun. So viel mehr gab es ja nicht zu erben. Oh ja, und wie ich bald erben würde! Diese Reise war die perfekte Gelegenheit. Mein Plan stand seit Monaten. „Noch ein Erinnerungsfoto?“ fragte er mich.

Angst machen

Sie würde am Abend ganz alleine in der halb verfallenen Hütte sein. Während eines Gewitters. Er konnte sich gut vorstellen, wie sie bei jedem Blitz zusammenzucken wird. In seinem Kopf malte er sich all die Möglichkeiten aus, sie zu erschrecken. Er freute sich darauf, sie richtig in Angst zu versetzen, ihr einen Schauer nach dem anderen über den Rücken zu jagen. In seiner Fantasie war sie bereits ein Häufchen Elend. Er dachte an Wolfsgeheul in der Ferne und plötzliches Klopfen an der Tür. Seine Gedanken kreisten immer wilder. Er konnte es wirklich kaum noch erwarten, die Geschichte endlich zu schreiben.

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