Schlagwort: Menschen

Fauler Hund

Jedes Mal, wenn einer der Zweibeiner an mir vorbeiläuft, strömt mir dieser Geruch in die Nase. Ich nenne ihn „Hektik“.  Er riecht ein wenig metallisch und knistert in der Luft.  Manchmal enthält er Spuren von Erde, fast immer hat er eine Plastiknote. Dieser Geruch bringt mich zum Gähnen. Wenn ich dann mein Maul aufreiße, bleiben die Menschen für einen Moment stehen und sehen mich an. Ihr Geruch verändert sich für einen ganz kleinen Augenblick. Sie lächeln fast. Doch dann gehen sie weiter. Der Geruch kehrt zurück und ist das Einzige, was von ihnen bleibt, wenn sie lange schon verschwunden sind.

Max & Marvin

Sie spazierten nebeneinander über den Bürgersteig, den warmen Asphalt unter ihren Füßen. Max genoss die Geräusche und Gerüche der Stadt, die ihm so vertraut waren. Unbeschwert nickte er den Menschen zu, die ihnen begegneten. Die meisten ignorierten ihn, aber das war ihm egal. Diese Achtlosigkeit gab ihm Sicherheit. Er wusste, dass man ihn in Ruhe ließ. Marvin erging es ganz anders. Er kam vom Land, war erst seit Kurzem in der Stadt und traute sich nicht, Max von der Seite zu weichen. Diese vielen Menschen machten ihm Angst. Wo er herkam, wagten sich Tauben nicht so nahe an Menschen heran.

Seid ihr alle da?

„Okay!“ Der Mann auf der kleinen Bühne hakte zufrieden einen weiteren Punkt seiner Liste ab. Ruhig ließ er seinen Blick über die Menge streifen, die redend und lachend zusammenstand. Es waren wieder viele gekommen. Er räusperte sich, um erneut die Aufmerksamkeit der Leute zu erhalten. Seine Stimme war so tief und eindringlich, dass er kein Mikrofon brauchte: „Jetzt bitte alle mit Handsäge ‚Hier“ rufen!“  Es erklangen augenblicklich mehrere Stimmen. Der Mann nickte und ließ seinen Kugelschreiber wieder über das Papier gleiten, um einen weiteren Haken zu setzen. Sie kamen schnell voran. Das alljährliche Treffen der Serienmörder war immer ausgezeichnet organisiert.

Noch sehr lebendig

Vor ein paar Jahren sind wir aufgestanden. Damit begann der ganze Schlamassel. Jetzt laufen wir auf zwei Beinen, machen ständig irgendwas mit unseren Händen und müssen Viecher töten, die dreimal so groß und viermal so stark sind wie wir.  Zum Glück beherrschen wir die Wahrscheinlichkeitsrechnung noch nicht. Oder eine Sprache, nebenbei bemerkt. In der Zukunft wird es heißen, die Dinosaurier wären längst ausgestorben gewesen als die ersten Menschen die Erde bevölkerten. Da lachen ja die Tyrannosaurier! Ein paar der schuppigen Stinker sind vielleicht schon weg, aber wir haben noch jede Menge davon. Einige fliegen sogar. Zeit, das Zielen zu erfinden.

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