Schlagwort: Fahrzeug

Das Automobil

Ich liebte dieses Automobil über alles. Keiner meiner Freunde oder Nachbarn besaß ein eigenes motorisiertes Fahrzeug und ich genoss ihre bewundernden Blicke auf mein kraftvolles Schätzchen jedes Mal. Nur Heidi, meine Verlobte, zeigte sich immer betont gleichgültig, wenn ich sie abholte, dabei wurde sie von all ihren Freundinnen aufs Schärfste beneidet. Deren Verehrer waren durchweg unmotorisiert. Mehr noch als Heidis Mangel an Bewunderung störten mich freilich ihre seltsamen Aussagen. Sie fand unsere langen Spazierfahrten langweilig und meinte erst kürzlich zu mir, dass in Zukunft alle Automobile ein Radio haben würden. Das war eine Schnapsidee. Frauen verstehen einfach nichts von Autos.

Warten macht keine Freude

Um Punkt 17.00 Uhr wollten wir uns an seinem Wagen treffen. Ich war da, das Auto war da, nur von Jimmy fehlte weit und breit jede Spur.  Meine Frustration stieg so schnell wie die Temperaturen fielen. Vermutlich würde ich mir eine Blasenentzündung einfangen. Wo steckte Jimmy? Genervt holte ich mein Smartphone aus der Tasche, um Jimmy wieder einmal hinterher zu telefonieren. Ich war noch mit meiner Tastensperre befasst, als sich mir ein alter Mann oder „älterer Herr“, wie ich in der Öffentlichkeit sagen würde, näherte. Er war ein bisschen außer Atem: „Schreiben Sie auch eine Straße weiter auf?“ Ich war bedient.

Tempo 120

Seine Frau hasste es, wenn er so schnell fuhr. Er hatte ihr versprochen, rücksichtsvoller und vorsichtiger zu sein, auch dann, wenn sie nicht neben ihm saß. Nicht, dass ihm dieses Versprechen nichts bedeutete, aber gerade jetzt konnte er keine Rücksicht darauf nehmen. Er durfte nicht zu spät kommen. Das war keine Option. Viel zu selten bot sich ihm eine solche Gelegenheit. Endlich näherte er sich der Stelle. Pure Erleichterung durchströmte ihn, als er sah, dass der Anhalter noch dort stand. Der Anhalter, von dem er zwei Kollegen hatte sprechen hören. Den sicher niemand mitnehmen würde. Niemand, der kein Verrückter war.

Blutspende

Mein Wagen zieht heute wieder sehr viel Aufmerksamkeit auf sich. Das war früher auch schon so gewesen, aber nach einem kurzen Moment der Neugierde hatte das Interesse immer schnell nachgelassen. Viel zu schnell. Ich musste eine Lösung finden. Schließlich ging es um Leben und Tod. Die Idee war mir spontan gekommen und ich bin nach wie vor ein wenig überrascht, wie gut sie funktioniert. Seit mein Blutspendemobil diese lustige Abbildung eines kleinen Vampirs, ganz echt mit Fangzähnen und Umhang, aber einem süßen Kindergesicht, als Erkennungsmerkmal trug, kamen die Spender in Scharen. Sie hielten es für Ironie. Mich machte es satt.

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