Schlagwort: Aberglaube

Glück im Spiel

Ich war immer der Letzte, der die Kabine verließ und aufs Spielfeld kam. Immer. Meine Mannschaftskollegen dachten, dass ich abergläubisch wäre und länger zurückblieb, damit es uns Glück brachte. Das war natürlich Quatsch. Weder war ich abergläubisch, noch ging es um etwas so profanes wie Glück im Spiel. Keiner meiner Mannschaftskollegen ahnte, in welcher Gefahr sie waren. Ich hielt die Lampe vor ihnen versteckt. Sie lag in meiner Sporttasche, mit Handtüchern umwickelt . Sobald ich alleine in der Kabine war, packte ich sie aus und rieb sie. So wehrte ich den Fluch ab. Nie wieder würde ein Blitz ins Spielfeld einschlagen.

Vorsicht, Gefahr!

„Als ich jung war, gingen dauernd diese Kettenbriefe herum“ erzählte der Mann mit tiefer Stimme „ich hab das ja auch nie ernst genommen, bis …“ Der Barkeeper verdrehte innerlich die Augen, ließ sich aber nichts anmerken. In seinem Beruf hörte er viele Stories. „… ich einmal einen Kettenbrief zerrissen habe“ fuhr der Mann fort. „Am nächsten Tag stürzte ich vom Fahrrad und brach mir das Bein.“ Der Barkeeper schwieg. Sein Gast sah ihn mit zusammengekniffenen Augen an: „Du denkst, ich spinne?“ Bevor der Barkeeper antworten konnte, reichte ihm der Mann einen zerknitterten Briefumschlag rüber: „Na los, zerreiß ihn!“ Dem Barkeeper wurde schlecht.

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